30.09.2008

Bert.treB

Es geht nicht um Bert, der in seiner dezent dreckverkrusteten Badewanne sitzt und sich langsam lauwarm werdendes Wasser über den großen Zeh seines linken Fußes laufen lässt, während der teilweise mit Schaum bedeckte Wasserspiegel sich langsam um seine Hüftknochen nach oben arbeitet und seine Beinhaare zum Schwimmen bringt. Doch es geht weder um den großen Zeh noch um die Beinhaare, viel mehr geht es um Bert und warum genau er mit einem blauen Auge in der Badewanne liegt; anscheinend zur Entspannung, denn immerhin hat er sich inzwischen hingelegt, weil das Wasser nun die ansonsten ekelhaft kalte Rückenlehne erreicht und erwärmt hat. Es könnte ja vorhin um die Abendstunden unangekündigt ein alter Bekannter Sturm an Berts feuerwehrschellenartiger Wohnungsklingel geklingelt haben, die Bert auch von seinem Schlafzimmer aus, in dem er mit Kopfhörern vor seinem Computer gesessen haben könnte, nicht überhört haben können hätte. Da dieser Konjunktiv jedoch zweimal Anstrengung erfordert (einmal, ihn zu schreiben und ein weiteres Mal, ihn zu lesen), ist es im Sinne aller Beteiligten, Bert natürlich ausgenommen, wie wir noch feststellen werden, dass wir die Begegnung mit dem alten Bekannten als Tatsache akzeptieren. Letzterer drückte übrigens mit beeindruckender Ausdauer die Klingel durchgehend, bis Bert die Tür einen Spalt breit öffnete, und sogar dann noch ein bisschen länger. Bert hatte die Tür hauptsächlich der optischen Aufklärung wegen geöffnet, nämlich um den Klingelterroristen mit eigenen Augen zu erblicken und im besten Falle auch noch identifizieren zu können, allerdings war die penetranteste Sinneswahrnehmung im ersten Moment eine gänzlich andere. Durch den schmalen Schlitz zum Treppenhaus drang unmittelbar ein stechender Geruchscocktail aus preisgünstigem Hochprozentigen und ungünstig Erbrochenem, der Bert zunächst an weiteren Reizverarbeitungen hinderte und ihn erst einen Bruchteil einer Minute später den Bekannten als solchen erkennen lies. Das folgende Gespräch zwischen Bert und dem Bekannten (dessen Name weder für diese Erläuterung relevant noch in irgendeiner Weise spektakulär ist, wird hier explizit nicht erwähnt und ist gegebenenfalls im Anhang nachzuschlagen, Bert rät allerdings davon ab) wurde sprachlich korrigiert, um dem Leser das betrunkene Gelalle des Bekannten zu ersparen und den eigentlichen Inhalt der Konversation hervorzuheben.

Bert: Was machst du so spät noch hier und warum bist du so früh schon betrunken?
Bekannter: Ich war auf einem Geburtstag in der Nähe.
Bert: Wer hatte denn Geburtstag?
Bekannter: Ein Bekannter. Kann ich jetzt bitte in meine Wohnung? Ich bin müde.
Bert: Das ist meine Wohnung.
Bekannter: Das stimmt ganz sicher nicht. Denk mal nach; ich bin zielstrebig hierher gelaufen, ergo kenne ich diese Wohnung. Du hast mir die Tür aufgemacht, warst also vor unserem Gespräch in dieser Wohnung. Und du kennst mich, demzufolge gehört diese Wohnung mir. Das ist sehr einleuchtend.

Bert dachte ein bisschen über diese Schlussfolgerung nach, aber ihm wurde sehr bald bewusst, dass sein Bekannter irgendwo einen entscheidenden Fehler gemacht hatte. Allerdings resultierte aus dieser Erkenntnis sehr zeitnah ein wuchtiger Schlag in Berts Gesicht, und um mit dieser unvorhersehbaren Gewalteinwirkung umzugehen, hält Bert nach wie vor ein Bad für unumgänglich. Das bewegt sich nun allerdings schon hart an der Grenze zu „zu kalt“ und wird deswegen unverzüglich von Bert verlassen und gegen ein wesentlich trockeneres Handtuch ausgetauscht.

Anhang: Volker

28.09.2008

Johnny Rainbow live!

Und jetzt nochmal für alle, die sich beim Lesen meines Artikels über Johnny Rainbow und seinen phänomenalen Auftritt gedacht haben: "Wovon redet dieser Verrückte bloß??" hier exklusiv der legendäre Showact von Johnny Rainbow auf myvideo.de!

23.09.2008

Vorbei ist sie, die schöne Sommerszeit.

Jaja... das waren noch Zeiten. Als der Roller noch nicht aufgrund einer defekten Abgasluftrückführung unerträglich lauten Krach von sich gab. Als die Luft noch lauwarm die Wangen umschmeichelte und die Mädchen noch leicht bekleidet waren. Als man noch in seidene Abendsonne gehüllt in die Dämmerung abtauchen konnte, ohne sich irgendwas abzufrieren. Aber das ist nun vorbei, der Winter kommt, die Russen stehen vor der Tür.

22.09.2008

Fahre die Karte richtiche...

Am Samstag waren wir anlässlich des Geburtstags meines Bruders (der sich mit seinen 19 Lebensjahren nun auch langsam nach einem Platz im Programm "betreutes Wohnen" umsehen darf) im Münchner Kartpalast ein paar Ründchen drehen. Erwartungen an mich selbst hatte ich keine, ich wollte mich eigentlich mit dem Pauly um den letzten Platz streiten, mit dem ich schon letztes Jahr rühmlich das hintere Ende der Platzliste gepachtet hatte. Umso mehr wunderte ich mich, als mir der nette Mitarbeiter nach den Qualifikationsrunden den ersten Platz als Startposition zusprach. Da konnte ich natürlich nicht umhin, dem Xand auf seinem vierten Platz schelmisch einen Blick zuzuwerfen, als ich an ihm vorbeibrummte. Das Rennen verlief schnell und spannend, ich lieferte mir einen erbitterten Zweikampf mit Kart Nummer 5 (Lenny, den ich in der letzten Runde noch hinter mir lassen konnte) und belegte einen guten vierten Platz (Xandy und mein Dad hatten mich natürlich noch überholt). Alles in allem ein gelungener Geburtstag, bei dem eigentlich nur der Erstplatzierte schlecht davonkam; mein Vattern hat sich nämlich eine Rippe weggeknackst. Glaub ich, er behauptet, das sei scho nix.

19.09.2008

Tot, tot, tot...

Kennt ihr diese kleinen Momente im Leben, in denen man ganz alleine irgendwelche Alltagsdinge erledigt, dabei an etwas ganz anderes denkt und einem plötzlich bewusst wird, dass etwas anders ist als sonst? Ich hatte gerade einen solchen Moment... Ich stehe in der Küche und räume gedankenverloren die Spülmaschiene ein, während aus dem alten, verstaubten Küchenradio fröhlich-nichtiges Gesprächsgeplätscher fließt (Bayern 3, glaub ich). Die Ansagerin berichtet über irgendwelche Fußballspiele im Ausland und will dann zu ihrem Kollegen Jens Jedermann schalten (Name aufgrund selbstverschuldeter Unaufmerksamkeit meiner Phantasie entsprungen), der live vor Ort ist.

Ansagerin: "Und jetzt schalten wir live zu Jens Jedermann, der das Spiel für uns verfolgt hat..."
Jens Jedermann (wird aus dem Hintergrund eingeblendet): "...und jetzt wieder tot. Tot, tot, tot."
Ansagerin: "Ääääh... äh... das Spiel endete mit 3:1..."

Offensichtlich war sie genauso verwundert darüber wie ich, dass uns der symphatische Jens mit den apokalyptisch, aber doch mit journalistisch trockener Sachlichkeit dahingebrabbelten Worten "Tot, tot, tot." begrüßt und verabschiedet hat. Gut, wahrscheinlich meinte er die Leitung, aber... die funktionierte einwandfrei. Weird world, und wir mittendrin.

12.09.2008

Ein echter Spezi.

Es ist meines Erachtens mal an der Zeit, ein echtes Kleinod der Münchner Durstpalette zu erwähnen: das Paulaner Spezi, die herrlich dezente braune Bierflasche mit dem original Paulaner-Bierkronkorken und den gedämpften Farben, die so gut mit dem Münchener U-Bahnstationsdesign harmonieren, führt ein Schattendasein neben dem großen "da ist Saft drin"-Vorbild (das natürlich auch ein äußerst gelungenes Produkt ist). Geschmacklich braucht sich der paulan'sche Trunk allerdings nicht zu verstecken, imho hat er eine etwas herbere, düsterere Note, die den Genuss zwar bei übermäßigem Konsum schmälert, in manchen Situationen (wenn der Durst zum Beispiel wieder einmal groß ist nach einem üppigen Mahle) jedoch Wunder bewirken kann. Ein dreifaches Hoch mit anschließendem vorsichtigen Auffangen dem Paulaner Spezi, das unbeirrt im örtlichen Supermarktkühlregal auf seinen weisen Erlöser wartet.

11.09.2008

Immer negativ denken!

Ich bin heute strahlend vor fiebriger Erwartung mit ein paar Freunden und spontanerweise auch meinem Bruder und seinen paar Freunden ins semi-örtliche Kino zur mysteriösen Mittwochs-Sneak gecruist. Der Vermutungen viele und zugegebenermaßen auch einige Hoffnung lagen bei der Majorität auf dem bald startenden Mechanikspektakel Wall-e, aber diese Aussicht wurde von dem jugendlichen Moderator der Sneak schnell verworfen. Mit der fast ängstlich vorgetragenen Bemerkung "Wenn ihr also jetzt einen Film zu sehen bekommt, dessen Anfang ihr normalerweise um drei Uhr nachts auf Arte oder 3sat ansiedeln würdet, rennt bitte nicht schon nach den ersten 10 Minuten raus, denn selbst, um einen Film schlecht zu finden, muss man ihn gesehen haben" versuchte er das Mainstreamauditorium milde zu stimmen, was allerdings mit allgemeinem unbehaglichen Tuscheln und mutigen vereinzelten Buh-Rufen kommentiert wurde. Nach einer Verlosung von aktuellen Filmplakaten begann die Vorstellung mit ein paar Trailern für kommende Actionfilme, bei denen der cranke Jason Statham gefühlt 70 Prozent der Hauptrollen innehatte. Dann begann der Hauptfilm. Die Produktionsfirmen waren mir nicht bekannt und der Titel "Kunsten å tenke negativt" (Die Kunst des negativen Denkens) lies Exotisches vermuten. Kurzum: Es folgte ein spannender, sehr schwarzhumoriger und gut gezeichneter nordländischer Film mit Dogma-Ambitionen. Man könnte ihn als eine Mischung aus von Triers "Idioten" und Vinterbergs "Das Fest" (übrigens die ersten beiden Dogma 95-Machwerke) bezeichnen, allerdings mit einem wohltuend positiveren Finale. Es geht um eine Gruppe von Behinderten, die eine wilde Nacht zwischen ihren Problemen, einer dominanten Therapeutin, ihren gesunden Lebenspartnern und Unmengen an Alkohol und Drogen verbringen. Fazit: Absolut sehenswert! Ich bin fast froh, dass Wall-e nicht kam... gegangen sind allerdings doch ein paar. Ignoranten!